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Schon lange bevor uns Rügen mit seinen riesigen majestätischen Kreidefelsen zugänglich war, lernten wir die beeindruckendste Landschaft Dänemarks auf der Ostseeinsel Mön kennen: Möns Klint. Als wir zum ersten Mal auf Prospekten Bilder von der Kreideküste im Osten der Insel Mön sahen, waren wir sprachlos. Wir konnten kaum glauben, dass es in unserer Nähe eine so großartige Landschaft gibt.  Seitdem haben wir dieses wunderbare Fleckchen Erde wiederholt besucht und sind jedes Mal wieder beeindruckt.

 

Das hängt sicher auch mit der Dänischen Mentalität zusammen. Die Dänen sind ein liebenswertes Völkchen. Hier findet man selten die Hektik wie bei uns. Die Menschen sind freundlich und offen, sie gelten als das glücklichste Volk Europas. Es ist schwer zu beschreiben, woran das liegt, aber vieles ist so anders als bei uns, immer hat man das Gefühl, willkommen zu sein, und viele Dinge sind auf die ganze Familie ausgelegt, wobei Kinder immer willkommen sind.

Das Kliff, von einer ca. 100 m dicken Kreideschicht gebildet, zieht sich majestätisch 6 km an der Ostküste der Insel entlang und ist bis zu 128m hoch. Es entstand vor ca. 70 Millionen Jahren und wird heute dem Maastrichtium zugerechnet. Wenn man am Strand ist, kann man die vielen Zacken, Nasen und Rutschungen sehen und stellt fest , das die Feuersteinbänder, welche die Schichten durchziehen, durchaus nicht immer waagerecht verlaufen, sondern manchmal in großen Bögen schwingen oder fast senkrecht zur Basis stehen. Diese Faltungen sind in den Eiszeiten entstanden.

Als Sammlerin bin ich natürlich von Anfang an besonders an den Fossilien interessiert gewesen, die man an dieser Küste finden kann. Oft aber habe ich nur gestanden um die unglaublichen Bilder, die sich mir boten, anzuschauen: Das türkisfarbene Wasser, die atemberaubende Höhe des Kliffs, unter dem man sich unendlich klein vorkommt und die vielen unterschiedlichen Strukturen, die sich beim Wandern entlang der Küste zeigen.

Da fast alle Touristen nach Fossilien Ausschau halten, ist die Chance auf spektakuläre Funde gering. Andererseits ist aber auch die Dichte der Fossilien in der Kreide so gering, dass sich ein Abbau am Kliff nicht lohnen würde, abgesehen davon, dass das vermutlich nicht gestattet ist. Kleinigkeiten wird man immer finden, Seeigel-Steinkerne, die hier besonders hübsch sein können, Donnerkeile (Belemniten), Schwämme mit manchmal hervorragender Zeichnung, kleine Korallen oder Seeigelstacheln im Geröll. Es lohnt sich durchaus, heruntergefallene Kreidebrocken aufzuschlagen.

Mit Glück kann man auch einen der begehrten Klappersteine bergen. Das sind kleinere Kugeln in Feuerstein, die sich im Geröll finden lassen. Wenn diese Kugeln Löcher haben, ist das ein Zeichen, dass das Meer sie schon gut bearbeitet hat und vielleicht im Laufe von vielen Jahren durch das eingedrungene Wasser den Schwamm, der sich im Inneren befindet, z.T. Aufgelöst hat. Der verbliebene Rest klappert dann, wenn man den Stein bewegt.

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Bildnachweis: Open Street Map

 Abbildung 1: Zu erreichen ist Mön über die Vogelfluglinie oder wenn man nicht mit der Fähre über den Fehmarnbelt fahren mag über Jütland und Seeland. (Die Brücken sind Maut pflichtig).

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Abbildung 2: Die Brücke nach Mön vom Hafen Kalvehave aus gesehen.

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Abbildungen 3 bis 4: An manchen Strecken gibt es neben Feuerstein-Geröll auch große Geschiebe-Blöcke. Die Aufnahme entstand in der Nähe des Leuchtturmes.

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Abbildungen 5 bis 7: Überall sind Spuren von kleineren und größeren Abbrüchen zu erkennen. Abb. 5 zeigt den großen Abbruch von 2007 , der nach 2 Jahren schon erheblich durch das Wasser eingeebnet ist.

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Abbildungen 8 bis 11: Nach dem großen Abbruch im Jahre 2007 war das Wasser lange Zeit türkisfarben durch die Kreide. Farben wie in der Karibik.

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Abbildungen 12 bis 14: Bizarre Formen entstanden am Kliff durch Erosion.

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Abbildungen 15 bis 16: In Richtung Norden ist der Strand relativ breit mit viel Feuerstein-Geröll und häufig erschweren entwurzelte umgestürzte Bäume das Wandern am Strand.

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 Abbildungen 17 bis 19: Zum Teil ist Erdreich mit großen Bäumen langsam Richtung Wasser gerutscht, so dass diese direkt am Strand stehen.

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Abbildungen 20 bis 24: Am Hvide Klint kann man im Geröll schöne Feuerstein-Fossilien finden. Auch Geschiebefunde sind möglich.

Wer sehen möchte, was in der Kreide Möns alles vorkommt, dem sei ein Besuch des Geocenters am Store Klint sehr zu empfehlen.

Hier kann man einmalige Fossilien bestaunen, die sehr gut präsentiert werden. Einige Stücke stammen auch von den Kreide-Kliffs um Stevens Klint, im Süden von Seeland. Außerdem wird die Geologie der Insel anschaulich dargestellt und die Flora und Fauna dem Besucher mit Hilfe interaktiver Schautafeln nahe gebracht. Ein Film über Dinosaurier (leider nur in dänischer Sprache und ohne Untertitel) ist im Programm enthalten. Obwohl der Eintrittspreis mit 35,00€ für 2 Personen (inkl. Parkgebühr) sehr hoch ist, würde ich jedem empfehlen, sich das Museum anzuschauen.

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Abbildung 25 Geocenter: Modell erster Organismen

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Abbildungen 26 bis 27 Geocenter: Modelle von Seeigeln

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Abbildung 28 links Geocenter: Scaphites sp.
Abbildung 29 rechts Geocenter: Phymosoma sp. mit vielen Stacheln.

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Abbildung 30 links Geocenter: Ein Aal in der Kreide - sensationell!
Abbildung 31 rechts Geocenter: Seestern Recurvaster radiatus.

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Abbildungen 32 bis 34 Geocenter: Verschiedene Fossilien, wie man sie am Kliff finden kann.

Nachfolgend zeige ich einige Fossilien, die ich bei mehrfachen Besuchen auf Mön selbst gesammelt habe:

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 Abbildung 35: Galerites sp., 20 bis 35 mm

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Abbildung 36 links: 2 Klappersteine. Der rechte ist aufgebrochen und zeigt den Schwamm, welcher das Klappern verursacht.
Abbildung 37 rechts: Neithea sp. auf Feuerstein.

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 Abbildung 38 links:  Coelosmilia excavata (V. HAGENOW, 1839) 31mm
Abbildung 39 rechts: Hyotissa semiplana (SOWERBY, 1825), 63mm

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Abbildung 40 links: Cretirhynchia limbata (SCHLOTHEIM, 1813) 21mm
Abbildung 41 rechts: Carneithyris subcardinalis SAHNI, 1925, 29mm

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Abbildung 42 links: Kleinfossilien aus dem Geröll
Abbildung 43 rechts: Belemniten (Donnerkeile) Belemnella sp., die man meistens nur als Bruchstücke findet.

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Abbildung 44 links: Schwamm indet. 56mm
Abbildung 45 rechts: Kieselschwämme  Porosphaera globularis (Phillips, 1835)  maximal 12 mm

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Abbildung 46 links: Pycnodonte vesicularis (LAMARCK, 1806) 95 mm
 Abbildung 47 rechts: Aulaxinia sulcifera (ROEMER, 1864) 135 mm

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Abbildung 48: Echinocorys sp. 98mm (Komplette Erhaltung in dieser Größe sehr selten)

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Abbildung 49: Gauthiosoma princeps (v. Hagenov, 1840) 40mm

Wenn auch die Kreideküste die größte Attraktion von Mön ist, so hat die Insel doch weit mehr zu bieten.

Machen Sie einen Spaziergang durch die Buchenwälder mit bis zu 400 Jahre alten Bäumen und genießen dabei Natur pur mit einer ganz großartigen Flora und Fauna. Erfreuen Sie sich an den Teppichen von Buschwindröschen im Frühling oder entdecken Sie zum Beispiel im Mai/Juni eine Reihe verschiedener Orchideen. Es dürfte kaum jemandem gelingen, während eines einzigen Urlaubs alle 18 Orchideenarten aufzuspüren, die dort vorkommen.

Besuchen Sie unbedingt den Park von Liselund. Genießen Sie vielleicht ein Picknick auf einer Wiese im Park ehe Sie durch eine wilde Schlucht zur Ostsee hinab steigen.

Oder spüren Sie einige Hünengräber auf. Hier auf Mön befindet sich das größte Hünengrab Dänemarks: Kong Askers Höj und ganz in der Nähe davon Sprovedyssen, das durch seine Typische Dolmen-Form besticht. Wie die meisten Hünengräber liegen auch diese beiden auf einer Anhöhe, von der aus man einen schönen Blick auf die Ostsee hat.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe typisch nordischer Kirchen, die einen Besuch lohnen und einige Museen wie z.B. das Sammlermuseum in Thorsvang.

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 Abbildungen: 50 bis 53: Buchenwald im Frühjahr mit vielen Blumen wie Buschwindröschen, Primeln und Orchideen.

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Abbildung 54 und 55 Schlosspark Liselund: 
oben: Das Schlosshotel, unten das chinesische Gartenhaus

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Abbildungen 56 bis 57 Schlosspark Liselund: das kleine Schloss, welches als Sommer-Residenz genutzt wurde.

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Abbildungen 58 bis 60: Niedergang durch den wunderschönen Wald zum Kliff.

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Abbildungen 61 und 62: Dolmengrab Sprovedyssen

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Abbildungen 63 bis 65: Es gibt viel zu entdecken im Sammlermuseum in Thorsvang.

 Am besten besorgen Sie sich gleich bei Ankunft auf Mön in der Tourist-Information Infos und Detailkarten wie z.B. den Küstenverlauf mit entsprechend gekennzeichneten Niedergängen am Kliff. Die Tourist-Information liegt gleich hinter der Brücke rechts am Ortsanfang von Stege.

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Abbildung 66: Prospekte zur Orientierung gibt es in der Tourist-Information Stege.

Landschaftsfotos: Rainer Friedhoff

   
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